To Stay Alive: A Method
A Feel Good Movie about Suffering

Ein frühes Pamphlet von Michel Houellebecq über Kunst und Depression in einen Film zu verwandeln, klingt nicht sehr vielversprechend. Erik Lieshout gelingt das Kunststück, indem er ein ungleiches Paar zu Protagonisten seines eigenwillig unterhaltsamen Filmessays macht: den „Bad Boy“ der französischen Literatur, Michel Houellebecq, und Iggy Pop, den „Godfather of Punk“.

Mit Grabesstimme und verwittertem Gesicht führt der Punkveteran in einer Mischung aus Rezitativ, Spielszenen, Konzertaufnahmen und Interviews durch Houellebecqs Überlebenstipps für Künstler. In ihnen erkennt er sich selbst und seine psychischen Abgründe wieder. Der Schriftsteller ist ihm ein Seelenverwandter, dessen Aussage, die Kunst habe den Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen und fest zuzudrücken, auch als Motto für sein eigenes Werk stehen könnte.

Eindringlich erzählt der Film parallel dazu vom einsamen Ringen dreier unbekannter Künstler mit ihren Dämonen, die Houellebecq zu seinem Essay inspiriert hatten. Unabhängig von Erfolg und Anerkennung verbindet alle drei ihre Kunst, die aus der Notwendigkeit zu überleben entspringt.

Lieshout schafft einen markanten Abschluss, wenn er das existenzialistische Duo schließlich zu Schubertklängen persönlich aufeinandertreffen lässt. Im Haus seiner verstorbenen Großeltern, einer kleinbürgerlichen Vorstadthölle, tritt Houellebecq als Figur aus seinem eigenen Text auf: ein depressiver Bildhauer im Schlabberlook, der in seinem Keller an einer Installation mit dem Titel „Das Geheimnis des Lebens“ arbeitet.

(sh)

Erik Lieshout

Erik Lieshout wurde 1961 in Utrecht geboren. Er begann seine Karriere als Kunstjournalist für das NRC-Handelsblad, als Assistent von Jean Tinguely in Paris (1979-80) und führte Regie bei Perfomances von Ruth Kligman in New York (1982). Nachdem er als Rechercheur für das Niederländische Fernsehen gearbeitet hatte, drehte er seine ersten Kurzfilme „The Essence of Life According to Marcel Proust“ (1983) und „Journey to the End of the Night“ über L.F. Céline (1984). Ebenfalls führte er Regie bei der VPRO-Sendung „Atlantis“ (1985). 1987 drehte er einen längeren Dokumentarfilm über W. F. Hermans, „I’m Not Longing Back for Anything of the Past“ und begann eine Karriere in der Werbebranche. 2001 kehrte er zum Filmemachen zurück und drehte zusammen mit Rutger Hower die Kurzdokumentation „The Room“, die als bester Kurzfilm beim Filmfestival von Paris ausgezeichnet wurde. 2010 führte er Regie bei „Last Words“ einer Dokumentation über den Autor Michel Houellebecq, die bereits 2008 als Work in Progress bei DOKUARTS gezeigt wurde. Mit Michelle Houellebecq arbeitete er erneut zusammen für „To Stay Alive: A Method“ (2016).