Filmworker

Leon Vitali war ein vielversprechender junger Theater- und Fernsehschauspieler, als er unerwartet die Rolle des geckenhaften Lord Bullingdon in Stanley Kubricks Version von Thackerays Barry Lyndon (1975) erhielt. Seine Darbietung war brillant, doch sollte die Rolle eine seiner letzten als Schauspieler sein. Während der langen Dreharbeiten wuchs Vitalis Faszination für den Prozess der Filmherstellung stetig, und als die Aufnahmearbeiten schließlich beendet waren, bewarb er sich erfolgreich bei Kubrick als Assistent.

25 Jahre lang, bis zu Kubricks plötzlichem Tod 1999, strebte Vitali unermüdlich danach, jede Aufgabe, vor die ihn der hochanspruchsvolle Regisseur stellte, zu erfüllen. Dabei erlangte er ein wohl einmaliges filmtechnisches Wissen.
Aber die Lehrjahre forderten einen hohen Preis, sichtbar an den eingefallenen, getriebenen Gesichtszügen Vitalis, der immer noch loyal gegenüber der Erinnerung an einen „Meister“ ist, der ihn rücksichtslos ausnutzte und am Ende recht gering dafür entlohnte.

Zierras eindrucksvoller Film behandelt diese ungewöhnliche Geschichte mit großer Beharrlichkeit und Intelligenz. Im Zentrum des Films bleibt stets Vitali selbst. In einer Serie persönlicher Interviews entfaltet der wie ein alternder Hippie gekleidete Ex-Schauspieler mit wunderbar tiefer, rauer Stimme seine Erinnerungen an Kubrick. Er tut dies mit einer Großzügigkeit, die weder Verbitterung noch Selbstmitleid erkennen lässt.

(mlf)

Tony Zierra

Regisseur Tony Zierra hat sich von der Macht des Geschichtenerzählens und des Kinos seit seiner Kindheit faszinieren lassen. Seine erste Dokumentation „Carving Out Our Name“, folgt den Leben von vier Schauspielern, die auf Erfolg in Hollywood hoffen. Der Film feierte beim Toronto Internati-onal Film Festival Premiere. Daraufhin begab sich Tony Zierra auf die Reise um die Reaktion der USA auf die Anschläge vom elften September festzuhalten. Der Film, der so entstand, „USA The Movie“, erforscht die zyklische Natur von Gewalt und Vergeltung. Zierras preisgekrönte Dokumen-tation, „My Big Break“, ist eine warnende Geschichte über die dunklere Seite des Ruhms und seine Konsequenzen, die auch seinen eigenen Kampf, den ersten Film zu drehen, beinhaltet.