save the date: symposium nuances now oct 11

The Miracle of the Little Prince

Fast 7.000 Sprachen existieren heute, beinahe die Hälfte davon ist vom Aussterben bedroht. „Die Erde ist groß“, sagt die Schlange in Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz. Die Erde ist groß, aber die Welt droht kleiner zu werden, denn mit den Sprachen verschwinden auch Lebensformen und Wissen. Die niederländische Filmemacherin und Fotografin Marjoleine Boonstra begleitet Menschen aus vier Sprachregionen (Tibetisch, Tamazight, Sami und Nawat), die einen ungewöhnlichen Weg gefunden haben, ihre Identität zu behaupten und sich für die Erhaltung ihrer Sprache einzusetzen: die Übersetzung von Saint-Exupérys Klassiker in ihre Muttersprache. Dahinter stehen sehr persönliche Geschichten, die von Gewalt, Sprachlosigkeit und Identitätsverlust erzählen, aber auch von Mut, Begeisterung und Trost durch Literatur. Mit poetischen, den Ton des Kleinen Prinzen evozierenden Bildern erzählt der Film von den Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens, von der Ausdauer der faszinierenden Übersetzer und vom vielsprachigen Wunder der Literatur.

(abe)

Marjoleine Boonstra

Marjoleine Boonstra studierte an der Minerva Art Academy und der Film Academy Amsterdam. Über 20 Jahre arbeitete sie als Redaktionsleiterin und Regisseurin für den niederländischen Rundfunk. Zu ihren Werken gehören sowohl Dokumentar- als auch Spielfilme und Videoinstallationen für Kunstmuseen. Zentraler Ausgangspunkt von Boonstras Arbeit ist ein tiefgreifendes Interesse für das menschliche Leben sowie den Umgang des Menschen mit widrigen Umständen – ein Inte-resse, das in Filme mündete, die international ausgezeichnet wurden wie Bela, Bela, Keep on Stepping, Among Horses and Men und The Silence of Mark Rothko. Ein wiederkehrendes Motiv, das sowohl Boonstras filmische als auch ihre fotografische Arbeit durchzieht, ist das des menschlichen Schlafs. Die Filmemacherin: „Diese Gelassenheit des Schlafes unter schrecklichsten Um-ständen versichert mich der Tatsache, dass die Welt überlebt. Dies zeigt die Verletzlichkeit unserer Existenz in ultimativer Form. Das bewegt mich.“
Boonstras Arbeit wurde in Museen, Kunstgalerien und auf Filmfestivals weltweit gezeigt. Sie ist als Mentorin an der Filmhochschule NFTVA Amsterdam tätig und war Tutorin und Jurymitglied im Rahmen des Amsterdamer Dokumentarfilmfestivals IDFA.